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Alle Kolleginnen sind gleich – nur eine ist GLEICHER!

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Ich glaube es war vor ca. 2 Jahren, da benötigten wir in der Praxis eine neue Raumpflegerin. Wir hatten viele Bewerberinnen und meine Chefs suchten sich mit einer Zielsicherheit eine Frau heraus, die überhaupt nicht in das Team passte. Ok, meist weiß ich allerdings eh nicht, welche Einstellungskriterien man erfüllen muss um eingestellt zu werden.

Besagte Raumpflegerin ist Argentinierin und schon einige Jahre in Deutschland. Sie spricht besser Deutsch als ich Spanisch, was keine Leistung ist, weil ich nicht viel mehr als „que passa“ „una servecia grande“ und „mio fratello carlo“ sagen kann (ich schrieb sagen, von schreiben war keine rede). Nun hat sie das Glück, dass mein einer Chef perfekt spanisch spricht und sie dort auch immer eine Anlaufstelle hat. Ich weiß nicht, welchen Narren er an ihr gefressen hat, jedenfalls hat er sie darin bestärkt, dass sie etwas besseres als eine Raumpflegerin sei und er dieses auch unbedingt fördern wolle. Sie ist ja nicht unintelligent, hat in Argentinien studiert. Das Studium wird allerdings dummerweise nicht in Deutschland anerkannt, was natürlich auch damit etwas zu tun haben könnte, dass sie der deutschen Sprache nicht wirklich mächtig ist und die Anforderungen eines deutschen Studiums anders sind, als die eines argentinischen. Nun hat diese Frau ein Ziel. Als erstes hat sie einen Deutschkurs besucht. Was die Sache mit den Verständigungsschwierigkeiten nicht wirklich verändert hat. Dann hat sie einen Einbürgerungstest (oder wie das heißt) gemacht und hat jetzt die deutsche Staatsbürgerschaft (was sie aber auch nicht besser deutsch sprechen lässt). Jetzt ist sie seit dem 01.08.2011 Auszubildende zur medizinischen Fachangestellten (MFA).

So weit – so schlecht!

Das arme 50zig jährige Hascherl ist so arm dran, dass sie neben der Ausbildung auch noch teilweise die „Putzstelle“ behalten hat. Die anderen Bodenkosmetikerinnen sind jetzt natürlich etwas entnervt, weil keine neue Raumpflegerin eingestellt wurde und die anderen nun für sie mitarbeiten müssen.

Ich merke gerade, bei mir hat sich total viel aufgestaut und ich kann gar nicht ohne Umwege auf den Punkt kommen, der nun das Wasserfass zum Überlaufen gebracht hat.

Ich überspringe jetzt mal :

1. Dass der Chef während der Arbeitszeit spanisch mit ihr spricht und unsere kurdische Azubine nicht mal mit ihren Verwandten kurdisch sprechen darf, wenn diese in die Praxis kommen.

2. Sie während ihrer Ausbildungarbeitszeit ihren Zweitjob ausüben darf, wenn es in der Praxis für sie nichts zu tun gibt, dann geht sie Wäsche mangeln.

3. Wenn sie etwas falsch oder gar nicht macht (was fast häufiger vorkommt) schiebt sie es auf die Verständigungsschwierigkeiten oder sie sagt, dass wurde ihr von einer Kollegin so erklärt.

4. Wenn sie eine Azubi-Aufgabe übertragen bekommt, sagt sie, sie habe gerade keine Zeit und man solle jemand anderes suchen, sie hätte zu viel zu tun (fünf Minuten später sitzt sie beim Mangeln).

u.s.w.

Jetzt habe ich eine Sonderaufgabe bekommen, ich bin sozusagen die Vertrauensperson für das Personal. Da in letzter Zeit einige Leute gekündigt haben und alle etwas unzufrieden sind, habe ich einen Fragebogen entworfen um festzustellen, wo nun die größten Probleme liegen und ob man etwas daran ändern könnte. Dies läuft weitestgehend anonym. Am 26.09.2011 war Abgabetermin und es fehlen noch 6 Bögen von 32.

Ich frage meine argentinische Kollegin: „Hast Du den Fragebogen schon beantwortet und in mein Fach gelegt?“

Sie: „Jaaa, dass habe ich soooon soooo lange gemaket!“ (in spanisch Akzent und mit Augenaufschlag)

Ich:“Das ist ja schön, danke!“

Gestern hatte ich bis 18.30 Uhr Dienst, leider hatte ich noch länger zu tun und hatte gerade eine Sache angefangen, da kommt die argentinische Kollegin und fragt: „Ische musse mit Dich sprechen, jetze!“

Ich: „Tut mir leid, aber jetzt geht es nicht, ich muss erst diese Arbeit hier zu Ende bringen, geht es etwas später?“

Sie: „Neine, zpäter nich, dann eine andere Tag!“

Ok, dann eine andere Tag, ist wohl nicht so dringend…

Zehn Minuten kommt mein Chef auf mich zu!

Er: „Frau Pukecrumbsy, kommen sie bitte einmal mit!“

Ich folge ihm in einen Raum, dort steht schon Miss Argentina…

Er: „Frau Pukecrumbsy, Miss Argentina wollte ihnen gerne etwas sagen und sie hatten mal wieder keine Zeit für sie?“

Sie steht mit großen braunen Rehäugelein neben dem Doc. Unten sammelt sich schon Tränenflüssigkeit und die Augen sind kurz vorm Überlaufen. Die Unterlippe bebt.

Ich: „Ich habe lediglich gesagt, ich hätte nicht sofort Zeit, weil ich noch etwas Erledigen musste.“

Ihre Unterlippe zittert noch mehr. Die Schultern sacken herunter.

Er: „Sie wollte ihnen nur kurz sagen, sie hat sie letztens falsch verstanden. Sie kann den Fragebogen nicht ausfüllen, weil Sie ja sofort sehen würden, dass sie diesen Fragebogen ausgefüllt hat und dann wäre er ja nicht mehr anonym. Also wird sie keinen Fragebogen abgeben. Damit ist das für sie erledigt und für mich auch.“

Ich frage mich, wie sie das hin bekommt so dekorativ und gekonnt in der Gegend rumzustehen und die Tränen nicht über den Eyeliner laufen zu lassen. Sie sieht aus wie Bambi, als seine Mutter erschossen wurde und weckt so wohl in jedem Mann den Beschützerinstinkt. Und mir stinkt es!!!

Ich: „OK, die Umfrage war ja auch freiwillig!“

Mehr ist mir in diesem Moment nicht eingefallen. Mist!!!

Sie rennt wegen jedem Müll zum Chef und schwärzt einen an. Egal was man zu ihr sagt, sie schiebt ihre Verständigungsschwierigkeiten vor, wenn SIE es nicht verstanden hat, obwohl sie einen vorher noch angezickt hat, dass sie nicht dumm sei, sie habe das schon verstanden,  oder sie sagt, mit einem Bambiblick, NIEMAND hätte Zeit für sie oder Sounso hätte es ihr falsch erklärt… Komisch das SIE IMMER die GUTE ist und IMMER einer der 31 anderen Angestellten die BÖSE!!! 

Was mich besonders annervt ist, dass sie mir ohne Probleme ins Gesicht lügt mit einer eindeutigen Antwort auf eine eindeutige Frage und mich dann noch hinterher in die Pfanne haut. Sie ist eine sehr gute Schauspielerin, was meinen Kolleginnen auch schon aufgefallen ist. Mit ihrer Bambiart wickelt sie den Doc um den kleinen Finger und er merkt es noch nicht einmal. Wenn man versucht mit ihm darüber zu sprechen, nimmt er sie total in Schutz und betont immer, wie schwer sie es hat… …das ist voll zum Kotzen!!!